ausi muasi

Anlässlich meines 40. Geburtstag taten sich meine Freund zusammen und finanzierten mir einen Punkt auf meiner Löffelliste, die Besteigung des Matterhorn.
Den finanziellen Aufwand mit Anreise, Übernachtungen, Bergführer und andere Kosten sollte man in der Schweiz nicht unterschätzen. Da sind gleich mal ein paar tausend Euro weg...

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Der Bergführer war auch klar, Paul Sodamin, der kennt den Hörnligrat von den unzähligen Besteigungen wie seine Westentasche.
Im Mai begannen die ausführlichen Vorbereitungen, nachdem ich im Frühling dafür gesorgt habe, das ich Konditionell fit bin mit einem Biwak am Grimming, Großvenediger und als letzte Abstimmung den Stüdlgrat am Großglockner. Alles passt, alles fit, nur das Wetter passt nicht, den ganzen Juli kein vernünftiges Wetterfenster, im August sehe ich das Projekt für dieses Jahr schon den Bach runtergehen, da ruft der Paul an, er ist nächste Woche in der Schweiz, das Wetter schaut gut aus.
Sonntag Abend schnell einen Nachtzug von Wien nach Zürich gebucht, Montag Früh weiter nach Bern, von dort nach Visp und mit der Zahnradbahn zuerst nach Täsch und dann nach Zermatt.
Noch am Nachmittag mit der Seilbahn rauf zum Schwarzsee und Zustieg zur Hörnlihütte, zum Höhe akklimatisieren auf 3260m. Paul trifft sich mit einem Gast, der schaut sehr fit aus, sie wollen Dienstag aufs Horu. Ich steige am späteren Nachmittag von der Hörnlihütte bis Zermatt ab und übernachte in Täsch.

Dienstag Vormittag erneute von Zermatt mit der Seilbahn zum Schwarzsee und gut zu Mittag auf der Hörnlihütte, auf Paul und seinen Gast warten. Der kommt kurz vor 3, schaut ziemlich fertig aus und muss schnell weiter wenn er die letzte Schwarzseebahn noch erwischen will... Na das kann ja was werden... bin ich fit genug? Die Höhe mit 4500m macht allen zu schaffen, habe immer wieder Probleme mit der Höhe deutlich über 3000m...
Am Abend ist klar, das Wetter schlägt um, spätestens Mittwoch Mittag ist Schluss am Berg... ob sich das ausgeht?

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Paul, der alte Bergfuchs beschließt wir umgehen den 5:00 Uhr Wahnsinn. Um 22:00 Uhr ins Bett um ½ 1 nochmal auf die Uhr geschaut, kann nicht schlafen. Um 3:30 der Wecker, darf aber niemand hören, wir sind um 4:00 Uhr still und heimlich unterwegs....
Also ohne Bergführer oder wenigstens jemanden der die Tour von zig Besteigungen kennt, dem kann ich von einem Versuch mit der Stirnlampe dringend abraten... das ist ein Labyrinth... wir können mit 1 Stunde Vorsprung den 5:00 Uhr Wettlauf zum Riss hinter der Hütte beobachten, die Schlange die sich da anstellt, an die 100 Stirnlampe ist ewig lang.

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Bei Sonnenaufgang um 6:30 Uhr sind wir auf der Solvayhütte auf 4000m, die 3 Couloirs, Gelbliches Band, das Gebiss und untere Mouseley Platte problemlos mit der Stirnlampe gemacht. Keine Höhenprobleme und die Kondition ist auch OK.

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Über die obere Mouseley Platte rauf zum Eisfeld unter der Schulter, Steigeisen anziehen. Die ersten Gäste mit den Schweizer „Bergführern“ schließen auf und überholen. Den Ton den die Herren gegenüber ihren zahlenden Gästen haben, erinnert mich an das Vieh treiben in meiner Jugend.

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Von der Schulter wird es über mehrere Steilstufen nochmal anstrengend, die Höhe macht sich bemerkbar, eine kurze Anstrengungen an der Steilstufe und man hat Atemnot und Puls auf 160. Aber das Ziel ist in Sicht und das Wetter hält!

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Um 8:30 sind wir nach 4 ½ Stunden am Gipfel, welch ein Ausblick, welche Emotionen, tatsächlich geschafft, ein dickes Hakerl auf der Löffelliste. 
Kurz vor 9 geht es zum Abstieg, überglücklich und doch mit Wehmut, was sind die neuen Ziele? Was kann nach dem Berg der Berge noch kommen? Was soll nach einer Besteigung des Matterhorns noch spannendes kommen? 
Im Abstieg sehe ich weitere erschütternde Szenen, Bergführer die ihre Kunden treiben wie ein Stück Vieh. Leute die mit Steigeisen anderen auf die Hände steigen, als Dankeschön ein Hieb mit dem Pickel. Da spielen sich wirklich unschöne Szenen ab.

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Auch treffen wir unter dem ersten Eisfeld Seilschaften die wir vom Vorabend kennen, welche klar wird, es geht sich heute nicht aus. Zu wenig Kondition, zu wenig Höhenanpassung, zu langsam und das Wetter schlägt um, das geht sich für viele heute nicht aus.

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Ab der Moseleyhütte gehen wir seilfrei, ist mir wesentlich lieber und wir sind viel schneller. Einen Weg durch das Labyrinth ist auch bei Tageslicht im Abstieg alles andere wie leicht zu finden. Zum Glück hab ich den Paul, er steigt vor, er kennt den Weg wirklich auswendig.

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Schon erledigt, aber nicht komplett am Ende sind wir im 13:00 Uhr wieder auf der Hörnli Hütte. Es folgt ein Anpiff vom Hüttenwirt Kurt Lauber persönlich, die Schweizer Bergführer haben uns und eine französische Seilschaft die auch vor 5:00 Uhr aufgebrochen ist verpfiffen...

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Nach einer kurzen Stärkung gehts weiter ins Tal zu Schwarzseebahn. Von Zermatt mit der Bahn nach Täsch zum Auto. Ein kurzer Stop am Camping Platz zum duschen und weiter geht es mit dem Auto via Visp, Brig, Simplonpass nach Domodossola. Abendessen, eine Pizza und weiter nach Mailand. Irgendwo kurz vor Venedig erneuter Fahrerwechsel, ich kann mich als Fahrer an die letzten 50km nicht mehr erinnern. Es ist weit nach Mitternacht und der Tag fordert seinen Schlaf. Paul fährt weiter, kurz vor 5 Uhr erreichen wir Eben im Pongau, Schlafpause... Am Vormittag weiter mit dem Zug nach Salzburg, Linz, Wien und Wiener Neustadt.

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Wahnsinnserinnerungen, Paul, Danke für den Tag!