Steinerweg (Dachstein Südwand)

Eine Führe die mir seit Jahren im Kopf rumgeistert und die auf meine Löffel-Liste ganz oben steht, ist der Steinerweg durch die Dachstein Südwand, ein echter Alpin Klassiker. Wegen der doch anspruchsvollen Anforderungen: 850hm, 24 Seillängen, Alpin! brauchst einen guten Seilpartner...

Da brauchst einen alten Fuchs, jemand mit Erfahrung, der die Wand durch unzählige Besteigungen wirklich gut kennt, ansonst kann es schnell brenzlich werden. Deshalb kam für meine erste Durchsteigung nur der Paul als Partner in Frage. Auch alles andere, angefangen beim Wetter, Kondition, Übung und natürlich der Termin muss passen. Die letzten Jahre haben gezeigt, einen Spätsommer nach dem anderen scheitert das Vorhaben an einem der genannten Gründe… Aber am 8.8.2014 sollte es passen, kurzfristig Urlaub nehmen und hoffen das das 1 Tages Wetterfenster hält. Zustieg erfolgt am Donnerstag am späten Abend zur Südwandhütte, der Wirt hat extra aus uns gewartet, Danke nochmal fürs warten. Selten wo auf einer Hütte so gut geschlafen, ist ja quasi wie im Hotel… Freitag 4:45h Tagwache, kurzes Frühstück, 5:10h Zustieg. Das Schneefeld war zum Glück nicht vereist, so konnten wir ohne Probleme um 6:50h einsteigen.

Die erste Seillänge frei, Meter machen, 2 weitere Seilschaften sind im Zustieg. Angeseilt 5 Seillängen bis zum Dachl Gehgelände. Es zeigt sich es war ein Fehler mein Seil zu nehmen, das hat doch schon ein paar Jahre und ein paar Seillängen am Mantel, dem entsprechend zach geht es durch den Tuber. Fällt beim Sportklettern oder 4, 5 Seillängen auf der Hohen Wand nicht auf. Bei 24 Seillängen wird es mühsam… Das Dachl am kurzen Seil bis zum Giebel frei erstiegen ist überraschend abgestuft. Generell sind die Dimensionen gewaltig. Am Einstieg zur Rissverschneidung kommt die Sonne, nachdem die nachfolgenden Seilschaften nicht in Sicht sind, gibt es eine erste kurze Pause. Es folgt der Riss und der Pfeiler zum Steinerband. Wahnsinn, welche Aussicht, das Steinerband ist nichts für schwache Nerven. Eine 4er Seillänge mit einer Zwischensicherung, sehr ausgesetzt, mitten in der Wand.

Der Ausstieg aus dem Krichband (nomen est omen) in den Steinerkamin ist das Highlight der Tour. Wenn die Stelle wer kennt sieht es ganz einfach aus (Schwups und der Paul war hinter dem Pfeiler verschwunden), im Nachstieg sucht man den Tritt und den Griff „mit Aussicht“! Der folgende Steinerkamin kann ausgesetzt am Grat erklommen werden, oder im Kamin „hochgeschloffen“ werden. Wobei in beiden Fällen der Rucksack stört … Plötzlich zieht es zu, Nebelschwaden ziehen durch die Wand, schlägt das Wetter um? Wir sind genau auf halber Höhe, wenns nass wird, wird’s mühsam, also zügig weiter, Seillänge um Seillänge. Am späten Vormittag ist klar, Rekordzeit wird es keine, aber das Wetter hält, es reißt wieder auf. Die folgende Rissverschneidung und wunderbare Alpine Kletterei führen in der 22. Seillänge zum Schluchtenüberhang. Die letzte Hürde zum Durchstieg, nochmal schnell ein „Bounty“, was trinken und technisch sauber ohne A0 den Überhang durchsteigen.

Die Schwierigkeit nimmt ab, nach den Wasserrillen geht’s links über die Blöcke, letzte angeseilte Länge. Es folgen die letzten 2 Seillängen Klettergelände, die werden am kurzen Seil genommen. Die Freude am Grat mit Blick auf das nahe Gipfelkreuz ist nach 7h klettern wirklich unbeschreiblich. Die Eindrücke, die Größe der Wand, einzelne Highlights laufen wie ein Film immer wieder durch den Kopf, ganz großes Kino! Nach kurzer Gipfelrast Abstieg auf den Gletscher, wer keinen Pickel mit hat (Randkluft!), sollte den Schulteranstieg absteigen. Am Gletscher herrscht im Hochsommer der übliche Touristenwahnsinn … wer sich das Anstellen an der Seilbahn ersparen will, sollte über den Hunerschartenklettersteig absteigen.

Am Ende wie beschreibt man die Führe? - mit hohem Respekt vor den Erstbesteigern 1909 - ein Super Alpiner Klassiker im 5. Grad - durch seine Länge auch heute noch eine Herausforderung die man gemacht haben muss!