Allgemein

Großer Grimming (Hochgrimming) (2351 m)

Bild: Hoher Grimming von Westen vom Schartenspitz

Mühsame, aber höchst lohnende Felstour, Schwindelfreiheit erforderlich; von Klachau 5 Stunden.

Allgemeines:

Der Große Grimming, auch Hochgrimming (2351 m) genannt, bildet die westlichste und höchste Erhebung jenes mächtigen Fels Platos, welchem als östlichsten Gipfel die Felskuppe des Multereck (2171 m) entragt. Dieser mächtige, oben hochflächenartig verlaufende Felsbau ist Hochgrimmingstock benannt. Er bildet das „steinerne Wahrzeichen" des oberen Ennstales und wurde, wegen seiner, scheinbar alle Berge der Umgebung überragenden Höhe, welche durch die mehr als 1700m unmittelbar über dem sumpfigen, breiten Talboden des Ennstales sich auftürmenden Felsmassen zum Ausdruck kommt, seinerzeit „Mons Styriae altissimus", als der „höchste Berg der Steiermark", bezeichnet. Das massige Felsgerüst des Hochgrimming-Multereckkammes entragt als östlichster Eckpfeiler dem 5 1/2 km langen, von der Salzaschlucht „Im Stein" sich bis zum Hochgrimming immer höher auftürmenden Grimmingstock und stürzt mit fast allseits gegen den Talboden sich stets steiler absenkenden Plattenhängen ab, die an der Nord-Seite zur Untergrimminger Schlucht ihren steilsten Abfall haben. Hier steigt der Felsbau in weißlichgrauen, blanken Steilplatten gegen den Gipfel des Multerecks himmelan, von dieser Seite dem Fels Koloss den Eindruck eines nach oben verlaufenden Schiffkieles verleihend. Gegen Süd-West senkt sich der Felskamm vom Hochgrimming als Grat zur tiefen Scharte, der „Großen Grimmingscharte", kurz „Grimmingscharte" oder nur „Scharte" genannt, auf 2032 m ab. Hier ist der breite Kamm auf die schmale Schartenkehle zusammengeschnürt und hier reihen sich die dem Felsgerüst des Großen Grimming westlich angegliederten Gipfel des langgestreckten Grimmingstocks, an Höhe allmählich abnehmend, aneinander. Der erste, einem mächtigen, kühn aufstrebenden Gratturm gleichende, ist der Schartenspitz (2320 m), der zweithöchste Gipfel des ganzen Gebirgszuges; darauf folgt nach der am tiefsten eingesenkten Heilscharte (2180 m) mit einem verwitterten Vorturm der Gipfel den Stierkarkogels, der mit dem nahen Gipfel des Kleinen Grimmings (2285 m), durch einen Rasensattel verbunden, den höchsten Punkt des sogenannten Steinfeldes bildet. Gegen Westen folgt noch der schön geformte Gipfel des Zwölfer (etwa 2120 m) und der steinige Rücken des Krautschwellerecks (etwa 2000 m), worauf sich der Kamm zur tiefsten Scharte, der St. Martiner Scharte (etwa 1850 in), absenkt. Jenseits derselben erhebt sich der Kamm nur noch über das Mittereck, um nun mit dem Hintereck zur Salzaschlucht "im Stein" jäh abzustürzen. Bezüglich, der Gliederung und der sich hierdurch ergebenden Aufstiegsmöglichkeiten auf den Hochgrimming-Multereckstock sei folgendes erwähnt: Knapp westlich unter der tiefen Grimmingscharte rückt auch der Talboden vom Kulmersattel her, mit dem beim Farbkogel zum oberen Talboden der Strübing in einer Steilstufe abfallenden Schartenkar, am höchsten gegen die Kammhöhe heran; dort fällt die Hochfläche des Hochgrimming mit einer, von dreizehn Rinnen durchfurchten, gebänderten Süd-West-Wand ab. Durch dieses Kar und über die leicht begehbare Süd-West-Wand führt der leichteste versicherte Anstieg von Kulm, bzw. von Mitterndorf, auf den Gipfel. Im obersten Drittel vereinigt sich dieser Weg mit dem ältesten Grimmingweg, der auf einem Bande über die „Stellen" von einem Sattel, dem „Karl", herüberleitet, von welchem sich unter dem Ansatz des Nord-West-Grates ein steiler rasen und zerbenbewachsener Rücken, der Lärchkogelkamm, losgelöst, der aus der Richtung zum Kulmsattel den Anstieg zur gebänderten Wand vermittelt. Mit dem sich vom Nord-West-Grat loslösendem Lärchkogel nahezu gleich verlaufend und von diesem durch die grasig-felsige Verschneidung der "Abriese" getrennt, zieht von der Hochfläche der Nord-West-Grat gleichfalls in der Richtung zum Kulmsattel talab. Der Nord-West-Grat vermitteln einen schwierigen Anstieg zum Gipfel. Nördlich des Grates senkt sich die Hochfläche in westlicher Richtung zur steil abfallenden Verschneidung der "Kalten" oder "Breiten Rinne" ab, durch die ein besonders im Abstieg schwer zu findender Durchstieg möglich ist. Durch eine nördlich davon gelegene Schlucht, die in der "Langschütt" endigt, führt der Nordanstieg unmittelbar westlich zur Hochfläche des Hochgrimming. Über die Nord-Wand des Multerecks, durch eine von den steil aufgestellten Schichtplatten gebildete Schlucht, die zum Ost-Kamm des Multerecks leitet, führt ein schwieriger Anstieg. Die von steilen Schluchten und von Zerben bewachsenen steilen Plattenabstürze der Nord-Ost-Flanke, die sogenannten Kutscherwände, zwischen dem Nord-Ost-Kamm und dem Süd-Ost-Grat des Multerecks, sind bisher touristisch nicht berührt. Das hervorragendste Schaustück bildet der Hochgrimming von der Süd-Seite, aus der Gegend von Irdning, wo in hochliegenden Karen zwischen mächtigen Felsporen ewiger Schnee sichtbar wird. Zwischen dem Süd-Grat des Multerecks und dem Ost-Grat des Hochgrimmings stürzt die an die 1000m breite und über 700m hohe Süd-Ost-Wand des Felsgerüstes zu den vorerwähnten Schneekaren, der großartigen Schneegrube, ab, die sich in drei selbstständige Felskessel, die "Südliche" und die "Nördliche Schneegrube" und eine seitlich an letztere, durch eine Steilstufe von dieser getrennt, die "Obere Kast", gliedern. Der Felsenkessel der Obern Kast ist in dem vom Muldereck südöstlich abziehenden Felsvorbau eingeschnitten. Er wird durch einen unmittelbar vom Multereck südöstlich abziehenden Felsvorbau eingeschnitten. Es wird durch einen unmittelbar vom Multereckgipfel südlich abziehenden Felsrücken, dem "Multerrücken", und dem vom Gipfel des Multerecks anfangs südöstlich, später südlich, abziehenden Süd-Grat umschlossen. Dieser Süd-Grat des Multerecks heißt im oberen Teil "Steininge Grasleiten", im unteren, wo er begrünt und zerben bewachsen ist, "Grüne Grasleiten", er setzt sich zuletzt steil ab, umschließt die Schneegrube in ihrem untersten Teil und stürzt nach dem zerben bewachsenen untersten Absatz in einer glatten Wand zum Kessel der Hochaignerau ab. Hoch oben auf der Steinigen Grasleiten löst sich vom Süd-Grat noch ein Süd-Ost-Grat ab, der über die Felstürme des "Alplofens" in einen Zerbenkamm, später bei der Weißwand in einen von Hochwald bewachsenen Kamm übergeht, der über den Tressensattel und die Wald bewachsene Felskuppe des Tressen in weitem Bogen bis zum Schloß Trautenfels herabzieht. Über diesen Kamm und über den Süd-Grat führen die Wege von Untergrimming und von Trautenfels über die Grasleiten beziehungsweise durch die Obere Kast auf den Gipfel des Multerecks. Durch die Wand zwischen dem kurzen Süd-Sporn des Multerecks - dem Mitterrücken - und dem von der Mitte der Hochgrimming-Multereck-Süd-Wand vorspringenden, beide Schneegruben teilenden "Schneegrubengrat" führt aus dem obersten Winkel der nördlichen Schneegrube ein Anstieg auf die Hochfläche nahe dem Multereck. Der Schneegrubengrat vermittelt einen prächtigen Anstieg auf die Hochfläche, halbwegs zwischen Multereck und Hochgrimming. Aus dem innersten Winkel der südlichen Schneegrube führt ein schneidiger Anstieg fast unmittelbar auf den Hochgrimming. Dieser Ost-Grat des Hochgrimmings bietet gleichfalls einen schönen Anstieg unmittelbar auf den Hochgrimming. Dieser Grat, der die nördlichen Begrenzung der zwischen diesem und dem Süd-Ost-Grat eingebeten Wolkengrube bildet, verbreiterte sich im unteren Teil und schließt unten das "Steinkarl" ein, um weiter unten zu einem breiten, von Zerbenwälderm bestandenen Rücken, dem Ochsenstein, überzugehen. Die Wolkengrube bietet einen langen, mühevollen und schwierigen Zugang zum Hochgrimming, während der mit einem gelben, fahlen Turm südöstlich des Hochgrimminggipfels ansetzende Süd-Ost-Grat eine sehr schwere Kletterfahrt darstellt. Gegen Süd-West stürzt der Süd-Ost-Grat mit einer hohen glatten Wand, Großwand genannt, zur Großen Jausengrube nieder. Die Große Jausengruben, deren Hintergrund von mächtigen Felswänden, insbesondere jener des Schartenspitzes, umstanden ist, bildet in ihrer Wildheit das größte Geheimnis der Süd-Seite, zur Linken zieht der von zwei kühnen Spitzen besetzte Süd-Grat des Schartenspitz hinan, zur Rechten die prallen Süd-Ost-Wänden des Schartenspitz anschließend, im Hindergrund wölbte sich unter der Großen Grimmingscharte ein ungegliederter breiter Rücken herab, der sogenannte Jausengrubenbauch. Zwischen dem Süd-Ost-Grat des Großen Grimming und dem Jausengrubenbauch, beziehungsweise. dem Süd-Abfall des vom Gipfel des Hochgrimmings zur Grimmingscharte führenden Wandteils, in die Großen Jausengrube zieht die in doppeltem seichtem "S" geschwungene Riesenschlucht der Zinnoberrinne herab. Durch sie führt der letzte schwierige, aber auch steinschlaggefährliche Anstieg der Süd-Seite auf dem Hochgrimming.

Geschichtliches:

Wann und von wem der Berg das erstemal erstiegen wurde, läßt sich nicht mehr genau feststellen; offenbar waren es Einheimische, die auf den noch heute allgemein begangenen Pfaden der Klachauer Seite zuerst den Fuß auf den Scheitel des Berges setzten. Gelegentlich der Katastralvermessung erstieg im Jahr 1822 Oblt. Baron Simbschen den Grimming und errichtete am Gipfel ein hölzernes Vermessungszeichen mit Steinsockel sowie etwa 100 Schritte unterhalb eine kleine Steinhütte zum Unterstand. Führer Paul Petsch aus Kulm sol am 29. Juni 1879 den Berg bereits zum 100. Male bestiegen haben. Den Anstieg von Trautenfels durch die Schneegrube direkt zum Gipfel vollführte H. Heß im Sommer 1888; über die Großen Schneegrube in zwei Teile trennenden Felsgrat, der zwischen dem Grimming und den Multereck haben unter ganz winterlichen Verhältnissen am 6. Mai 1900 T. Maischberger und Dr. H. Pfannl einen Durchstieg gefunden. Am gleichen Tag vollführte Alfred von Radio-Radiis, sich in der nördlichen Schneegrube von seinen ob angeführten Gefährten trennend, allein einen Aufstieg aus der Großen Schneegrube über den Ost-Kamm zum Multereck (ÖAZ. 1902, S. 133) In der Fortsetzung der Rinne, die von Westen auf den Sattel des "Karl", des gewöhnlichen Klachauweges, mündet und erstmals am 17. Okt. 1897 von A. Nettl und Alfred von Radio-Radiis begangen wurde, erkletterte E. Guttmann aus Wien am 2. August 1903 alleine die Felsen des Nord-West-Grates, der nächst dem Ausstieg des gewöhnlichen Wegs auf die Gipfelfläche ansetzt. (ÖAZ. 1904, S. 165, 166) Den Übergang vom Grimming zum Schartenspitz vollführte in umgekehrter Richtung zuerst, jedoch nur bis zur "Scharten", E. Suchanek mit M.Lieber 1888. Den westlich vom Gipfel ansetzenden wilden Süd-Ost-Grat erkletterten zuerst Ing. H. Reinl und K.Grennitz am 26. Mai 1904 (ÖAZ. 1904, S. 166.) Den leichter zu begehenden, direk vom Gipfel ansetzenden Ost-Grat, welcher den südlichen Ast der Großen Schneegrube den Süden abschließt, erkletterten erstmals K. Domenig und K. Greenitz am 22. Juni 1905. (ÖAZ. 1906, S. 33, 93) Einen Anstieg durch die westlich neben dem Süd-Ost-Grat zum Großen Grimming führende Zinnoberrinne vollführte am 8. Sept. 1908 Robert Damberger mit K. Wankmüller und J. Fischer, Linz. (ÖAZ, 1909, S. 171.) Über die Nord-Wand erstiegen den Multereck-Gipfel des Großen Grimming erstmals R. Damberger mit F. Rigele (Linz) am 16. Juni 1907. (ÖAZ 1908, S. 177.) Die erste Durchkletterung der Grimming-Nord-Wand direkt zum Gipfel (ohne Berührung des Multerecks) vollführte R. Gerin (Wien) und O. Pitschmann (Linz) am 23.Juli 1911. (ÖAZ. 1911, S. 328) Die erste Ersteigung aus der Wolkengrube zwischen Süd-Ost- und Ost-Grat führte Ing. R. Czegka allein am 21. Aug. 1919 aus. (ÖAZ. 1921, S.53.) Über die Geschichte der Erstbesteigungen siehe auch F. Benesch: Mons styriae altissimus in der Z. d. DÖAV. 1918.

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