Anstiege von Klachau

A: Von Klachau oder Mitterndorf durch das Schartenkar

Bester und bequemster Aufstieg auf AV.-Weg; etwas Kletterfertigkeit und Schwindelfreiheit erforderlich (5, bzw. 5 3/4 St.). Seit Herstellung dieser Weganlage ist der mühsame Anstieg B über den Lärchkogel seltener begangen. Von der Bahnstation Klachau vorerst südlich (10 Min.) auf der Fahrstraße gegen Untergrimming, dann rechts über Wiesen in das sich südwestlich öffnende Tal des Kulmgrabens und längs dem Bach auf steinigem Fahrweg in einer weiteren 1/2 St. zu dem auf der freien Fläche des Kulmsattels (1023 m) stehenden Gehöften des Kulmbauers. Hierher gelangt man von Mitterndorf über Krungl in etwa 1 3/4 St. Der Weg von Mitterndorf über Bad Heilbronn mündet erst am oberen Ende des Kars der Strübing (siehe unten). Nun mit wenigen Schritten geradeaus weiter zum Waldsaum. Rechts haltend folgt man der roten Wegbezeichnung durch den Wald zu einer Wiese. An dessen unteren rechten Ecke herum und steiler durch den Wald weiter auf einen Holzschlag. Da hier die Wegbezeichnung mangelhaft ist, empfiehlt es sich, immer schräg rechts ansteigend, den Lärchriegel weit links lassend, einem Zugweg zu folgen, der auf eine Blöße führt. (Schöner Blick auf das Totengebirge.) Unmittelbar zur Rechten hat man nun einen Graben. Neben diesen aufwärts stößt man auf einen angenehmen Steig (hier findet man auch wieder die Wegbezeichnung), der durch Wald, später Stauden und Latschen in das Kar der „Strübing" führt. Bequem windet sich der Steig im Schutt des Kars bis zum Absturz des Schartenkars hinauf. Hier mündet von rechts her der von Mitterndorf über Bad Heilbronn führende Steig ein. Dieser lange, aber landschaftlich empfehlenswerte Weg ist um etwa eine Stunde weiter als der Weg hierher von Mitterndorf über Krungl und den Kulmbauer beansprucht demnach von Mitterndorf bis zum. Grimmmg 6 bis 6 1/2 Stunden. Man geht von Mitterndorf zum Bad Heilbronn; nun durch den Wald sanft ansteigend an der Nekolahütte (Nächtigung nur mit Jäger oder Führer gestattet) vorbei und in weiteren 3/4 Stunden über den Langsteinrücken und den Eisenerzer Schlag zur Kulmeralm (Übernachtungsmöglichkeit in der kleinen Jagdthütte). Von der Kulmeralm ein Stück gegen den „Sonntag", dann schräg links auf den Rücken der „Ösling". Bis hierher Jagdsteig. Die Fortsetzung des Anschlussweges auf den durch die Strübing führenden Weg ist von der Sektion Mitterndorf des ÖAV. angelegt. Von der Osling am oberen Band der großen Platte vorbei, mit 30m Abstieg in den Winkel unter der Farbkogelwand und zu dem durch die Strübing heraufführenden AV-Weg, dessen Vereinigung mit dem AV-Weg knapp vor dem Absturz des Schartenkars beim Beginn der Drahtseil Versicherung erfolgt. Die Steilstufe, die den Absturz des Schartenkars zum Kar der Strübing bildet und nun vor uns liegt, ist insgesamt etwa 180 in hoch und gliedert sich in zwei getrennte Absätze. Der erste, etwa 60 m hohe, ausgesetzte Absatz wird mittels starker Drahtseilversicherung und eiserner Stiften überwunden. Der zweite, modrigere, etwas zurückliegende Absatz hat ebenfalls Drahtseilversicherung. Nun befindet man sich in dem großartigen Schartenkar welches von dem von der steilen Platte der „Heil" zur Rechten und Links von den „Stellen" herabziehenden vielen Rinnen gesammelten Lawinenschnee bis spät in den Hochsommer erfüllt ist. Im Frühsommer, wegen des in beiden Karen lagernden harten Lawinenschnees, ist das Mitnehmen von Pickel, eventuell Steigeisen ratsam! Vom unteren Ende des Kars führt ein begrüntes Band durch die Trogwand schräg links zum Lärchriegel hinüber. Es bildete den alten Zugang vom Weg über den Lärchriegel zum Schartenkar, solange der Absturz denselben zur Strübing nicht versichert war. Der angelegte Weg führt unter der Riesenplatte der Heil und den Überhängen des Schartenspitzes vorbei im Bogen nach links gegen das Gewände des Großen Grimmings, das bei jener Stelle erreicht wird, wo eine steile Felsrinne die zusammenhängenden „Trogwände" durchbricht. Hier steigt man zuerst links neben der Schlucht über grasige, aber vorzüglich gestufte Felsen, dann in der Rinne selbst in nicht schwieriger Steigerei etwa 300 m hoch hinan zum alten, über den Lärchriegel führenden Weg, den man am Ende des über die „Stellen" führenden Bandes dort erreicht, wo er bei der vorletzten Rinne vor den „Scharten" sich durch diese Rinne nach links empor wendet. Hier ist etwas mehr als die halbe Höhe der zu durchsteigenden Wand überwunden. Durch diese breite, teils mit losem Geröll erfüllte, plattige Felsrinne geht es ziemlich hoch gerade aus empor bis zu einer Wand hinauf, dann um eine Ecke in die letzte Rinne, durch diese bis sie sich schließt, und nun links davon auf die sie begrenzende gratartige Felsrippe in unschwieriger, oben etwas ausgesetzter Kletterei auf die Hochfläche. Man betritt sie dort, wo der Nord-West-Grat sich von ihr loslöst. Nun östlich über die mäßig geneigte Gipfelfläche ansteigend, in 1/4 St. auf den höchsten Punkt.

B: Von Klachau über den Lärchkogel

Früher der kürzeste und beste Aufstieg, steil und mühsam, aber nicht schwierig, im obersten Teil kurze Felskletterei (4 1/2 - 5 St.). In neuerer Zeit wird der durch das Schartenkar und die oberste West-Wand führende, versicherte AV-Weg (siehe Wegrichtung A) dem steilen Anstieg über den Lärchkogel mit seinem langen Quergang über das Band der West-Wand vorgezogen. Im Frühsommer mag der Lärchkogelweg, weil er sehr früh schneefrei wird, vielleicht dennoch dem Weg A vorzuziehen sein. Von der Bahnstation Klachau wie bei A auf den Kulmsattel (3/4 St.). Hierher auch von Mitterndorf über Krungl in 1 1/2 St. Nun auf bezeichneten Wegen links ab in den Wald und in etwa 1/2 St. zu einer Quelle. Als nächstes Ziel haben wir immer den West-Fuß des Bergs vor Augen. (Nicht der Abzweigung nach links folgen!) Wir wenden uns im Wald steiler empor, ziehen hoch oben im prächtigen Wald auf dem Steig stark nach rechts und gelangen so in etwa 3/4 St. an den West-Fuß des Lärchecks, des steilen, begrünten Nord-West-Pfeilers des Grimmings, Längs dieses Pfeilers führt nun der sehr steil und mühsam zu begehende, aber rasch zur Höhe fördernde Pfad über die anfänglich noch bewaldeten, dann nur mehr von dichtem Erlengebüsch und Krummholz bestandenen Felsen hinan, bis wir den (1 1/2 St.) höchsten Punkt erreicht haben und nach links hin einen Sattel (das „Karl"), dem der Pfeiler entspringt, gewinnen. Links baut sich der Felsgrat mit einer steilen Wand auf (Nord-West-Grat, siehe O). Der weitere Weg führt entlang der von Rippen und Rinnen gefurchten Süd-West-Flanke des Nord-West-Grats auf langgezogenem, nur sanft ansteigendem, zunächst dem Sattel ansetzendem Band („Stellen" genannt) nach Süd-Ost hin. Obwohl der Pfad nirgends Kletterei erfordert, ist dieser Gang doch recht luftig und eindrucksvoll. Der über das nach innen geschichtete Band führende Weg leitet bald über Geröll, bald um Felsrippen herum und über steile Grasplätze. Man genießt dabei den herrlichen Anblick der wilden Schartenschlucht der aus ihr steil auftürmenden Platte der „Heil", mit dem sie überragenden mächtigen Zahn des Schartenspitz. Nach etwa 1/2 stündlichem Quergang, schon nahe dem Abfall des Grimmings zur Scharte, erreicht man die Stelle, wo Weg A, durch das Schartenkar über die West-Wand auf die „Stellen" heraufführt. Hier wendet man sich wie bei A durch die vorletzte breite, teils von losem Geröll erfüllte, plattige Felsrinne nach links gerade empor. Dort wo sie sich verengt, folgt ein kleiner, kammartiger Riss mit einer Steilstufe, hierauf ein kurzes Stück etwas ausgesetzt entlang einer Felsrippe, worauf man die (1/2 St.) mäßig geneigte Gipfelfläche dort erreicht, wo sie sich zum Nord-West-Grat (siehe C) zuschärft und, östlich ansteigend, in einer weiteren 1/4 St. den mit einem Vermessungszeichen versehenen Gipfel des Großen Grimmings erreicht. Vom Gipfel führt eine in nördliche Richtung leitende Wegbezeichnung in 5 Min. zu einer Quelle. (Im Abstieg hat man am Ende der Gipfelhochfläche auf den Einstieg nach links in die Rinne zu achten, desgleichen auch unten auf den nach rechts stattfindenden Überstieg zum Band!)

C: Von Klachau über den Nord-West-Grat (5 St.)

Guten Kletterern sehr zu empfehlende Änderung des Weges über den Lärchkogel (siehe B). Schöne, mittelschwere Kletterei, nur etwas Vorsicht nötig wegen des lockern Gesteins am Grat, der besonders dann mit Vorteil begangen werden kann, wenn (wir z. B. im Frühjahr und Frühsommer) das Band und die Rinne des Weges B und auch der Weg A durch das Schartenkar stark verschneit sind. Am besten gewinnt man den Grat: über den beim Klachauerweg B nach Begehen des Lärchkogels erreichten Sattel („Karl"), von dem aus man dann auf das lange Band der Süd-West-Flanke übergeht. Von Klachau bisher etwa 3 1/2 St. (siehe B). Man kann den Grat ganz ohne Berührung des Wegs B pfadlos und etwas mühsamer und noch viel steiler auch früher erreichen, indem man die folgende, von A. v. Radio-Radiis und A. Nettl eingeschlagene Richtung wählt. Man hält sich bei einer Wegteilung nach Verlassen des Kulmsattels, am Beginn des Waldes, statt nach rechts nach links und steigt dann durch einen Schlag, „Bauernschlag" genannt, direkt gegen, den plattigen Abbruch jener westlich zwischen dem untern bewaldeten und sich mählich verbreiternden Nord-West-Grat und dem begrünten Lärchkogel absinkenden Rinne, „Abliese" genannt, die zu dem Sattel des „Karl" vor dem langen Band des gewöhnlichen Wegs bringt. Den plattigen Abbruch erklettert man dabei am besten von rechts her und gewinnt so die untere Rinne. Durch diese steil ansteigend, kann man sich dann bald dem links emporziehenden Grat zuwenden. Wer vom Sattel des „Karl" ober dem Lärchriegel den Grat begeben will, wendet sich vom Sattel nach links durch eine kleine Schlucht und gelangt durch eine darauffolgende, mit lockeren Blockwert erfüllte steile Rinne zum Grat empor. Nun geht es einige Seillängen auf dem Grat ohne besondere Schwierigkeiten aufwärts bis zu einem überhängenden Turm, den man am besten rechts (südwestlich) einige Meter absteigend, auf breitem, ebenem Schuttband umgeht. Nun von der dahinter gelegenen Scharte über die stellenweise sehr schmale Felsschneide (eine längere Strecke in sehr brüchigem Gestein) bis zu einem etwa 15m hohen Abbruch. Diesen umgeht man (über kleine Stufen, links einige Meter absteigend, bis man unsicheres Rutschterrain gewinnt, und quert dann eine plattige Rinne bis unterhalb der nächsten Scharte. Durch einen seichten Riss, die einzige schwierige Stelle des Weges, gelangt man wieder auf die Grathöhe, die man nun mehr bis zum Rand der Gipfelfläche, wo der Grat ansetzt und gegen welchen die Steilheit mählich abnimmt, in anregender, leichter Kletterei verfolgt. Man betritt die Gipfelfläche ungefähr 100 Schritte östlich. von dem durch die Schartenschlucht heraufführenden Weg und gelangt nach wenigen Minuten nach Überschreiten der großen Mulde zum Gipfelsteinmann (etwa 1 1/2 St. vom Sattel).

D: Von Klachau durch die „Kalte (Breite) Rinne"

Sehr mühsam und nur sichern, schwindelfreien Felskletterern zu empfehlen (etwa 5 St.). Von Klachau oder von Kulm (im letztem Falle bei der Wegteilung im Wald links abbiegen) pfadlos durch den Wald an die große Schutthalde, der ,,Breitriese", am Fuß der „Kalten Rinne". Nun durch diese selbst steil und mühsam empor (Achtung auf Steinfall) bis zu einem Abschluss. Hier links auf schmalem Band hinaus an den Fuß eines steilen, mit Rasenpölstern besetzten Felshangs, der ohne Schwierigkeit auf die Hochfläche in der Mulde zwischen Multereck und Großem Grimming bringt. Nunmehr leicht nach rechts zum Gipfel. (Im Abstieg ist zum Finden des richtigen Einstiegs große Achtsamkeit erforderlich! Nicht ratsam!)

E: Von Klachau über die Nord-Wand des Großen Grimmings

(direkt zum Gipfel ohne Berührung des Multerecks). Sehr schwierige Kletterei, etwas leichter als Weg' F über die N.-Wand des Multerecks (etwa 5 St.) Dieser Anstieg vollzieht sich durch die zweite, westliche des Anstiegs F gelegene Schlucht, dort wo der Schuttstrom am höchsten in die Wände zieht (Auf diesem Wege wahrscheinlich Wasser den ganzen Sommer in der Schlucht). Von Klachau auf der Straße nach Irdning, bei der Tafel „zum Grimming" rechts ab, über eine Wiese zum ersten Heustadl, nach links auf Steigspuren an den Auslauf jenes Geröllstromes, der am höchsten zu den Wänden hinaufzieht (Schneefleck). In der hier mündenden Schlucht aufwärts, bis sie sich zu einer Rinne verschmälert, und in dieser bis zum Abschluss einer mit Lehm erfüllten kleinen Nische unterhalb der lotrechten Wand, in der ein auffallend gelb gefärbter Abbruch ein markantes Richtungszeichen gibt (2 St.). Nun nach links über die Platten und schräg links aufwärts zu einem kleinen Überhang, der den Weiterweg vermittelt (schwierig). Nach Überwindung mehrerer Schwierigkeiten aufwärts, bis zu einem Schneefleck (Wasser) und sehr schwer über die lotrechte Wand; in derselben Richtung aufwärts zu Schrofen, die eine prächtige Kletterei bieten, schließlich über schräg rechts aufwärts ziehende Plattenbänder zu einem steilen Schuttkar, von dort wieder schräg rechts aufwärts über die gut kletter baren Platten zur Gipfelfläche und in wenigen Minuten zum Gipfelkreuz.

F: Von Klachau über die Nord-Wand des Multerecks

Sehr schwierige, steinfallgefährliche Kletterei (von Klachau etwa 6 St.). Wenn man von der Station Klachau die massige Nord-Wand des Grimmings betrachtet, fällt eine seichte, plattige Rinne auf, die von rechts nach links gegen den Gipfel des Multerecks emporzieht und den Durchstieg durch die mächtigen Wandstürze vermittelt. Hierbei liegt, von Klachau aus gesehen, der Einstieg in dieselbe in der Falllinie des Großen Grimmings, der Ausstieg jedoch nördlich in der Falllinie des Multereckgipfels. Man wendet sich von Klachau zuerst auf der Straße gegen Irdning, bis man den Geröllstrom erreicht, der vom unteren Ende der erwähnten Rinne bis nahe an die Straße herunterzieht, über diese Schutthalde und durch spärliche Krummholzbestände mühsam direkt zum (1 - 1 1/2 St.) Einstieg hinauf; derselbe erfolgt einige Meter links neben der eigentlichen Rinne in plattigen, nicht sehr steilen Felsen (Steinfallgefahr!), die sich bald ebenfalls zu enger Rinne austiefen, über kurze Kamine bis zu dem ersten flachen Vorbau, wo sich die beiden Rinnenäste wieder vereinigen. Nun immer in der vom Steinfall glatt geschlagenen Rinne weiter, die sich bald sehr steil aufschwingt und zu kurzen Kaminen vertieft; durch diese Kamine teilweise schwierig (recht kolossale Plattenschüsse) wieder auf ein ebenes Schluchtstück (Steinmann). Die Wände treten nun ganz zusammen und bilden einen senkrechten, glattwandigen, überdies nassen. Kamin, der oben mit gewaltigem Überhang abschließt. An der linken Wand (schwierig! Kletterschuhe!! Unfallstelle Erl Gütls) an winzigen Haltepunkten hinauf zur Fortsetzung der Rinne, die nun in leichter Kletterei verfolgt wird. Ungefähr in der Falllinie des Multereckgipfels verlässt man sie nach rechts und steigt über steile Bänder und brüchige Felsstufen, zuletzt über Rasen direkt zum Multereck hinauf (etwa 3 - 4 St. vom Einstieg), von dort längs des Kammes zum Gipfelkreuz, des Grimmings (1/2 St.); sehr eindrucksvolle, im untern Teil wohl auch sehr steinfallgefährliche Tour.